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Trigger - Phönix aus der Asche
Geschichte eines Lebens, daß es lang nicht mehr geben sollte
#1
Ich möchte hier von einem Leben erzählen.

Das Leben meines besten Freundes S., dessen engste Vertraute ich seit 14 Jahren bin.
Wir lernten uns 2006 kennen in einem Forum mit Methodendiskussionsmöglichkeiten.
Sein Wunsch, Schluss zu machen, war immer irgendwie präsent. Mit mir sprach er über seine Gedanken seine Gefühle und Wünsche.
Nach seiner erfolgreichen Ausbildung zum Maler und Lackierer wollte er was neues machen.
Sein Traumberuf Rettungssassistent.
Er absolvierte die Prüfung mit superguten Noten und
fing kurz danach an, in dem Job zu arbeiten.
Sein Leben war endlich wirklich lebenswert für ihn.
Oberflächlich gesehen....-
2009, nach einer Homeparty bei ihm fuhr ich nach Hause und bekam eine Woche später einen Anruf seines Freundes, ich habe mich bitte dringend bei S. Unter der und der Nummer zu melden.
Ich erfuhr von ihm, das er am Morgen nach unserer Party eine Überdosis …. nahm und nach zwei Tagen im Badezimmer wieder wach wurde.
Nun lag er im Krankenhaus, Nervenschädigung im Bein,
Laufen quasi nicht mehr möglich.
Es folgten 2 Jahre Reha, wieder Laufen lernen, Operation an der Achillissehne, da diese sich durch das lange Nichtlaufen verkürzt hatte.
Als er wieder Arbeitsfähig war, kam ihm die Frage,
da muss mehr in seinem Leben gehen als das, was er bisher erreicht hatte.
Seine Freundin wohnte in Neustrelitz, er in Berlin.
Was tat er? Brach alle Zelte ab und zog zu Ihr in die Stadt.
Dort machte er eine Weiterführende Ausbildung zum Rettungssanitäter
Auch diese bestand er bravorös.
Auch bekam er danach gleich einen Job und arbeitete mit Hingebung und Erfüllung.
Selbst, als die Beziehung zu der Frau zu Ende war,
hatte der Job die Kraft, ihn einfach weitermachen zu lassen. Auch wenn der Hass auf die Stadt grösser wurde,
und er sich dort nicht mehr zugehörig fühlte.
Am liebsten wäre er sofort weg aus der Stadt,
aber er hatte ja wenigstens seinen geliebten Job, der ihn hielt.
2017 Dann bekam er die Chance, den Arbeitgeber zu wechseln, und somit mehr Geld zu verdienen.
An einem Montag sollte er den Vertrag unterschreiben.
An dem Wochenende vorher fuhr er das erste mal betrunken Auto um nachts von einer Party nachhause zu kommen.
Er kam von der Strasse ab, fuhr eine Laterne um und kam zum Stehen – Fazit: 1, 6 Promille – Führerschein war weg.
Der Führerschein ist aber Bedingung für den Job in der Rettung.
Somit hatte sich, selbst verschuldet, der Traum vom neuen Job in Luft aufgelöst.
Er hatte mit Anlauf sein Leben gegen die Wand gesetzt.
Wieder Hartz 4, wieder Amtswillkür und der ganze Mist.
Ein Loch tat sich auf, und er fiel bildlich ins Bodenlose.
Seine Pläne, dann jetzt endlich Schluss zu machen, wurden konkreter und ausgefeilter. Irgendwann zeigte er mir alles, was er dafür brauchte in einem Etui, mit den Worten : „Damit Du bescheid weisst, die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann.“ Er liess sich komplett gehen.
Das Jobcenter kürzte nach und nach sein Geld, bis er Anfang des Jahres 2019 nichts mehr bekam.
Miete wurden nicht mehr bezahlt, Strom etc .
Er saß nur noch in seiner Wohnung und wartete auf den Tag NULL das er endlich den Impuls bekommt, zur Tat schreiten zu können. TAG NULL kam und er tat, wonach er sich so lange sehnte. Doch auch dieser Versuch scheiterte und er wachte nach 48 Std wieder auf seiner Couch und in seiner ganz persönlichen Hölle auf.
Sein Leben war nur noch ein Hauch von gar nichts. Seine Post warf er auch weiterhin ungelesen weg. Somit bekam er auch nicht mit, daß die Geldstrafe des Unfalls zur Haftstrafe wurde, und ein Haftbefehl rausging.
Irgendwann als er mal draussen war, nahmen ihn die Bullen in Empfang und ab ging es Richtung Knast . Ohne Vorwarnung. Sie hatten Ihn schon lange auf dem Schirm aber er war nie greifbar weil er auf Klingeln an der Wohnung schon lange nicht mehr reagierte.
Auf nach Rostock , 51 Tage um seine Geldstrafe abzusitzen.
Er sagte mir, er wolle nach der Haft weg aus Neustrelitz, sein Leben sei dort nur noch ein Haufen Dreck und es gibt nichts mehr was Ihn hält. Die Stadt ist sein ganz persönlicher Abgrund geworden.

In der Zeit der Haft kontaktierte ich also seinen Vermieter, bekam die Info wieviel Miete offen ist . Wir konnten uns darüber einigen, die Wohnung zum 1.10. zu kündigen, damit nicht noch mehr Schulden auflaufen.
S. kam also aus dem Knast, meldete sich in Neustrelitz ab und hatte danach NICHTS mehr
ausser sein Leben als OBdaCHLOSER mit seinem Hab & Gut, daß in 3 Umzugskartons passte.
Natürlich liess ich nicht zu, daß er in einer Obdachlosenunterkunft endet, und nahm ihn bei mir auf.
Und in seiner Situation, ganz unten angekommen zu sein, Schulden zu haben, keine Wohnung mehr und zwei versuchte Suizide überlebt zu haben, liess ich ihn erstmal ein paar Tage zum „ankommen“ und realisieren der neuen Situation.
Dann kam seine Energie wieder.
Er machte Pläne, kümmerte sich um seine Führerschein-Dinge, um das Amt hier bei mir, um wieder Geld zu bekommen und sein Haufen Leben wieder in Ordnung zu bringen. Er kontaktierte Schuldner um über eine Abzahlung zu sprechen.
Sein Focus war nun Ich will mein Leben zurück!
Das heisst die Schritte werden wie folgt sein:
MPU – Vorbereitung
MPU bestehen
Führerschein wiederbekommen,
Bewerbungen an Rettungsstellen senden
wieder in seinem Traumberuf arbeiten.
Nebenbei will er vom Jobcenter bezahlt den Aufbaukurs
zum Notfallassistenten machen,
denn damit kann er zukünftig nicht nur auf Rettungswagen sondern auch in Kliniken in der Notaufnahme arbeiten.

Warum schreib ich das hier alles ?
Weil ich denke, dieses Leben ist der Beweis, das der Satz
 „Es gibt immer einen Ausweg, Du musst ihn nur gehen wollen“
keine hohle Phrase ist.


Und wie heisst es so schön?

Wer etwas will, findet Wege
alle anderen finden Ausreden


Ich wünsche jedem hier Wege und den Mut sie zu gehen 


Euer Nebelwesen 
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  • Nocturne (12-11-2019), Traumengel (11-11-2019), Wilsberg (14-11-2019)
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#2
Liebes Nebelwesen

Also ich muss sagen Dein Freund hat meinen aller grössten Respekt, dass jemand der so weit unten war es wieder hoch schafft ist lange nicht selbstverständlich. Die meisten hätten einfach aufgegeben und über ihr beschissenes Leben gejammert, dabei hat jeder sein Glück und seine Zukunft selbst in der Hand, Dein Freund ist das beste Beispiel dafür, das jeder alles erreichen kann was er will, egal was das Leben ihm für Karten  gegeben hat.
Noch mehr bewundernswert finde ich, dass er nach all dem Scheiss sofort anfängt alles zu regeln und sogar wieder arbeiten gehen will, andere würden  nur ihr Hartz 4 beantragen und sich alles  schön bezahlen lassen während sie zu Hause auf der faulen Haut liegen und jammern wie Scheisse das leben ist. Aber er macht das voll und ganz richtig, ich finde auch, wenn man körperlich gesund ist und aus der Krise raus, warum sollte man dann nicht selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen und sich ein vernünftiges leben aufbauen, das nicht "am Rande der Gesellschaft" liegt?  

Ich finde jeder trägt zu seiner Situation und Lebensweise einen grossen Teil selbst bei ganz unabhängig davon wie man lebt und was man schlimmes erlebt hat.Denn Du hast immer die Wahl ob Du liegen bleibst und aufgibst oder ob Du aufstehst, da raus gehst und Dein Leben so lebst wie Du es dir vorgestellt hast 
Wenn Du Dich fürs liegen bleiben entscheidest bist Du eigentlich schon tot.

Auch Du liebes Nebelwesen hast meinen Respekt dafür, dass Du ihn aufgenommen hast und für ihn so sehr da bist, das sind wahre Freunde die immer füreinander da sind und gemeinsam alles schaffen.

Ich wünsche euch beiden von Herzen alles Gute und hoffe Dein Freund schafft alles was er sich vorstellt aber ich bin mir sicher das wird er denn er hat den starken Willen dazu und nur das zählt.



[Bild: animation_01.gif]
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  • Nebelwesen (11-11-2019)
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#3
Liebes Nebelwesen,

ich habe ein bisschen länger gebraucht, um deine Geschichte zu lesen, weil der Text etwas länger ist und ich derzeit etwas Schwierigkeiten mit der Konzentration habe. Aber jetzt habe ich es geschafft und das, was du da schreibst, hat mich sehr berührt. Und Nebelwesen hat es bereits gesagt, dein Freund verdient wirklich Respekt dafür, dass er sich aus diesem Loch herausgezogen hat. Und er hat Glück, eine gute Freundin wie dich zu haben, die ihn dabei unterstützt hat. Ich drücke ihm die Daumen dafür, dass er seinen Traum verwirklichen kann und seinen Platz in der Welt findet. Vielleicht magst du ja bei Gelegenheit mal erzählen, wie es ihm geht und vor allem, wie es mit ihm weitergegangen ist.

LG
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  • Nebelwesen (11-11-2019)
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#4
Es gibt einen kleinen Lichtblick-
Das erste Wohnungsangebot fürs Jobcenter sollte nächste Woche hier eintrudeln.
Wenn die das Ding absegnen, hat er tatsächlich ne Bude, und das ganz in meiner Nähe.
Mit der Verwaltung ist alles soweit abgesprochen, das der Einzug dann spätestens Ende Jan. erfolgen kann.
Könnte auch früher sein, weil noch nich klar ist, ob der Vormieter vorzeitig die Bude räumt oder fristgemäß.

WIR DRÜCKEN IHM DIE DAUMEN, DAS ALLES GUT LÄUFT und er die Zusage vom Amt bekommt. Dvz_01 



Ganz "nebenbei" hätte dann auch ich mein altes Leben wieder  Upside-Down
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#5
Oh, das klingt sehr gut. Ja, wir drücken ihm die Daumen. Das wäre ein guter und wichtiger Schritt.
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#6
Die Wohnung ist vom Amt abgesegnet worden.
Am 1. Januar kann er einziehen. 
Ich freu mich so sehr für ihn.
Ok, meine Freude gilt auch mir, weil ich dann mein "altes" Leben wiederhabe.

Dvz_09 Dvz_09 Dvz_09
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#7
Cool! Freut mich für euch beide!! Danke, dass du kurz berichtet hast.

LG
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  • Nebelwesen (03-12-2019)
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