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Lasst uns Therapie träumen
#1
Hallo ihr,

wir würde für euch eine ideale Therapie aussehen?
Welche personellen Ressourcen bräuchte es? Was bräuchte es sonst noch?
Wie sollten Klinken für psychisch Kranke aussehen?
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#2
Wollte nur dalassen, dass ich es gelesen habe.

Tue mich schwer mit den Fragen, denn ich kann ja die Realität nicht ändern und muss mich den Gegebenheiten anpassen. 
Also was nutzt es die "ideale Therapie" zu erträumen?

Lg Ulli
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#3
Ich verstehe sehr gut, was du meinst.
Manchmal hilft es mir, um nicht völlig am System zu verzweifeln.
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#4
Huhu Schaf,

ich kann wohl schildern, wo ich mich befinde und wie es mich bereichert, abgesehen von einigen menschlichen Problemchen die immer auftauchen und die ich weglassen möchte. Den Rest, nicht realistischen änder ich einfach, so wie es uns im Rahmen idealer Vorstellungen passt.

Die ideale Therapie bekommt man dann, wenn man sie braucht. Vielleicht einige Wochen Wartezeit, damit man es schätzen und respektieren lernt, was man da bekommt.

Im stationären Rahmen individuell viele Therapien, pro Station nur ein Behandlungsschwerpunkt, für uns komplexe Traumata. Die Station ist nicht übervoll. Medikamente werden nur bei Bedarf ausgegeben, von Psychiatern, die sich Zeit nehmen und eigentlich für möglichst wenig Medikamente sind.
Behandlungsdauer wie früher ca. 12 Wochen, damit sowohl Stabilisierung als auch Konfrontation und emotionales Auffangen stattfinden können.

Idealerweise trifft man zufällig auf reale Trigger, während man in der Behandlung ist und relativ stabilisiert. Die Situation(en) können von fähigen Therapeuten live miterlebt werden, die ein Gespräch lenken können, an ihre Arbeit glauben und mehrmals pro Woche verfügbar sind.

Es bestehen Möglichkeiten, sich selbst zu beschäftigen, wenn am WE keine Therapien gibt und das Ausnutzen dieser Möglichkeiten wird gefördert (Ermunterung, Tischtennis, Gesellschaftsspiele, malen, zeichnen...).

Zusätzlich zum Therapeutengespräch gibt es eine Bezugspflege im Personal pro Patient, mit mindestens einem Gespräch pro Woche, zusätzlich zum Therapeutengespräch. Das Personal ist für Gespräche verfügbar und vor allem ausgebildet. Es ist kompetent, freundlich und aufbauend, zugewandt und aufmerksam und macht seine Arbeit gerne. Die Kommunikation läuft gut.

In der Klinik wo ich bin gibt es das alles, bis auf 8 bis 12 Monate Wartezeit und max 9 Wochen Behandlungsdauer.
Wichtig ist, welcher Träger das Krankenhaus leitet. Bei GmbHs kann man nichts erwarten, da es um Geld geht und und an allem gespart oder Geld gemacht wird.
Privatkliniken haben den Schwerpunkt auf Qualität, aber welcher gesetzlich Versicherter kann sich für etliche Wochen 200€ pro Tag leisten.
BG Kliniken sorgen gut für einen, aber gleiches Hindernis.
Wo der Träger zB christlich o.ä. ist, lohnt es sich zu warten.

LG
KTT
[-] Die folgenden 1 Benutzer sagen Danke an KTT für diesen Beitrag:
  • Wilsberg (13-10-2020)
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#5
Wie würde die ideale Therapie aussehen?

Ich habe die für mich/uns ideale Therapie. Ich fühle mich gut aufgehoben, stets ernst genommen und ich habe in der Hand, was das Thema ist. Meine Therapeutin spricht mit mir auf Augenhöhe, erklärt mir sämtliche Methoden. Sie wägt mit mir zusammen ab, ob wir etwas ausprobieren/ wagen oder auch nicht. Sie ist offen für Vorschläge von meiner Seite. Sie denkt nicht, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, nur weil sie etwas studiert hat. Sie sagt, ich selbst fühle am besten was für mich das Beste ist. Sie ermuntert mich immer wieder, besser auf meine Bauchgefühle zu hören.
Wenn Sie der Meinung ist, ich solle etwas anders/weniger/mehr etc machen, so sagt sie mir das. Und sie erklärt mir auch warum.
Sie hat keine zu große Distanz, erzählt schonmal auch, wenn sie etwas auch selbst kennt (zB wenn ich zur Zeit Probleme habe mich an Schlaf-geh-Zeiten zu halten, erzählt sie, dass das bei ihr auch gerade ein Problem ist). Sie hat da einen guten Weg gefunden, dass Distanz da ist, aber keine zu große. Sie ist ein Mensch, sie hat Familie, und das zeigt sie auch. Sie als Person mit Problemen ist nie das Thema, aber sie ist da. Aber sie würde die Distanz nie zu gering werden lassen.
Wenn sie etwas nicht weiß, oder mit etwas überfordert ist, gibt sie es offen zu. Sie sagt dann, dass sie es gerade nicht weiß, aber das in ihrem Suvervisionsteam abklärt, oder in einem Buch nach liest. etc. Haben auch schon gemeinsam etwas nach gelesen. Sie sagt immer "wir wachsen gemeinsam" und ich finde das toll. Und nebenbei total authentisch.
Seit Jahren bin ich bei ihr in der Behandlung, jetzt kam die DIagnose DIS (über ihr SUpervisionsteam). Sie wusste vorher nichts darüber. Kurz hatte ich überlegt, ob ich mir jemanden suche, der mehr Ahnung von der Thematik hat, aber ich möchte bei ihr bleiben. Sie liest Bücher, bildet sich weiter und tauscht sich aus, ich lese Bücher, wir tauschen uns aus - und wir finden gemeinsam einen Weg. Sie ist offen für alles und vor allem darf ich selbstbestimmt bleiben. Das möchte ich auf gar keinen Fall eintauschen.

Und: wenn ich Probleme mit Freunden/dem Liebsten habe, dürfen wir gerne gemeinsam kommen. Wenn ich Probleme mit den Kids habe, ist sie auch dafür mal Ansprechpartnerin. Selbst wenn sie im Urlaub ist oder an den Wochenenden darf ich ihr eine whattsapp-Sprachnachricht schicken, wenn was ist womit ich nicht klar komme. Spätestens am Abend/ bzw bei abendlichen Nachrichten am nächsten Mittag antwortet sie mir. Entweder mit nem Anruf oder einer Sprachnachricht. Ich stand mit ihr schon im AUtausch, während wir beide im Urlaub waren und ich plötzlich riesige Probleme hatte, die ich nicht einordnen konnte. Oder während sie auf einer Fortbildung war ( mit lustiger Musik im HIntergrund) etc. Und auch einfach wenn der Zeitraum bis zum nächsten Termin für das Problem zu lange war. Welcher andere Therapeut würde mir so etwas anbieten? Ich weiß, ich bin IMMER aufgehoben, habe IMMER einen Ansprechpartner. Jemanden der mich versteht und mir weiterhelfen kann. Mehr will ich nicht.

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Welche personellen Ressourcen bräuchte es / Was bräuchte es noch?

Hmmm.... ich weiß nicht genau, worauf du da raus möchtest. Was ich aber sinnvoll fände:
die Kassen müssten besser mitspielen. Ich wollte gern die Krankenkasse wechseln, aber meine Therapeutin hat mir dringend davon abgeraten. Ich bin in der AOK, Hausarzt- und Facharztvertrag inklusive. Dadurch bekomme ich Therapiestunden, die nicht abgezählt werden. Das kenne sie von keiner anderen Kasse. Man müsse immer wieder Anträge stellen und immer wieder hoffen, dass doch mal mehr als üblich bewilligt wird. Gerade bei meiner Geschichte ist es wichtig, dass ich permanent Zugriff zu dieser Leistung habe - also wechsle ich nicht! (Nervt mich bei meinem Sohn schon immer: Muss der Therapeut wieder nen neuen Antrag stellen? Geht er durch? Hmm... er hat noch ein paar Stunden, erfahrungsgemäß werden danach keine mehr bewilligt. Ich habe also Bedenken, dass mein SOhn bald im Regen steht. Für Kinder gilt diese Regelung wie bei mir leider nicht)

Personelle Ressourcen? Wie man mit bekommt, sind landauf, landab sämtliche Therapeuten mit Warteschlangen belegt. Therapieplatzsuche oft ein Ding der Unmöglichkeit. Da muss sich etwas ändern.

Ich fände es auch toll, wenn es eine Vernetzung mit anderen Therapien gäbe, wie in der Klinik. Die Ergotherapie habe ich geliebt, fände ich phasenweise als Ergänzung klasse. In der Klinik gab es auch Akupunktur, war klasse, hat mir viel geholfen. Hier im normalen Alltag - unbezahlbar. Phasen mit Kunst- und Musiktherapie fände ich auch gut. Bekommt man aber nunmal nur in der Klinik. Würde sowas zB abends in den Klinikräumen angeboten , Klienten bekäme man über die niedergelassenen Therapeuten (natürlich freiwillig), Bezahlung durch die Kasse, wäre ideal.
(Da sind Räume, die um diese Zeiten nicht mehr genutzt werden, es finden sich bestimmt entsprechende Therapeuten, die dazu Lust haben auch um solche Zeiten - und wenn es Mütter sind, die lieber nur dann arbeiten wollen, wenn der Mann im Haus ist. Und es wären Zeiten, die auch arbeitende Menschen wahr nehmen können.)


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Wie sollten psychiatrische Kliniken aussehen?


Für mich ein großes Wort im Kliniksetting: INDIVIDUALITÄT. Aufgrund der knappen personellen Besetzungen ist eine individuelle Behandlung nicht möglich. Es gibt nur Gruppentherapien, kaum Einzelsitzungen bei immer dem gleichen Therapeuten, keine Zeit für individuelle Problemstellungen. Bezugspflegetermine fallen immer wieder aus, weil Personal fehlt, ebenso einzelne Gruppentherapien. (Ich will eigentlich nicht verallgemeinern, ist aber von der Formulierung her schwierig. Ich spreche also von meinen eigenen Erfahrungen). Gut für Stabilisierung, nicht gut für tiefergehende psychologische Arbeit.
Schlimm fand ich Phasen mit Zimmerpartnern, die sämtliche therapeutische Arbeit ersticken, weil sie dich terrorisieren etc. Die fehlende Möglichkeit, einen Ort für den Rückzug zu haben. Einzelzimmer fände ich also auch sehr wichtig.
Die individualität bezieht sich aber auch auf
- anzuwendene Methoden (ich war in einer Klinik, die streng nach DBT arbeitet. Bei einem Aufenthalt war das super, bei einem andern hätte ich was anderes gebraucht)
- die Länge der Therapiezeit (in der Klinik, wo ich war war der Standard 12 Wochen. Einmal konnte ich verlängern auf 14. Aber was soll denn das: wieso wird mir vorgeschrieben, in welcher Zeit ich Ziele zu erreichen habe? Der eine braucht mehr Zeit, der andere weniger. Das sollte besser individuell anzupassen sein)
- der Stundenplan. Als ich das erste Mal in der Klinik war, war mein Stundenplan gut. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Lag aber eher daran, dass sämtliches Personal entweder gerade gesucht wurde, in Urlaub war oder krank bzw in Mutterschaftszeit - und dass ich Sport wegen einer körperlichen Verletzung nicht mitmachen durfte. Damit kam ich klar, und die Dinge konnten sich zwischendurch setzen. Das andere Mal war mein Stundenplan voll von früh bis spät. Keine Zeit für eine Mußestunde, nicht mal Zeit für Therapiehausaufgaben. Die wurden abends müde, schon halb schlafend, hin geschmiert nach dem Motto "das will er/sie hören." Für tiefergehendes war keine Zeit. Die Menge der Therapien und die Pausenzeiten sollten individuell angepasst werden. Der eine braucht mehr, der andere weniger. Aber das geht natürlich nur, wenn die Therapiezeit an sich auch angepasst wird.
- die Menge der Therapeutengespräche. In "meiner" Klinik gab es diese nur einmal in der Woche. Ich habe von Kliniken gehört, wo es zweimal die Woche gibt /natürlich ne Privatklinik). Sollte auch angepasst werden, je nachdem was die Person braucht.

Ein anderes großes Thema finde ich SELBSTBESTIMMUNG. Als Arzt und Therapeut sollte darauf gehört werden, was der Patient möchte und braucht. Anstatt was überzustülpen und zu sagen: das ist dein Ziel. Das ist, was du tun muss. Das ist, was du lernen musst. Sie waren gut darin, einen anzuhören - und dann völlig unpassende Dinge als Ziele herzunehmen, die allgemeiner und für alle Patienten passend waren. (Okay, ich habe mich gewehrt und für meine eigenen Ziele gekämpft, aber das kann nicht jeder. Und beim ersten Mal konnte ich es auch nicht.) Die Themen, sollte ich als Patient bestimmen dürfen - und die Therapeuten dürfen gerne Anregungen geben etc. Austausch eben.
Hier mit rein spielt defintiv auch die TRANSPARENZ - nicht einfach übergestülpt bekommen, erklärt bekommen. Gezeigt bekommen, was Sache ist etc.

Ganz wichtig fände ich auch eine Vernetzung mit anderen Fachgebieten. (Aber das gilt in meinen AUgen für die Medizin generell. Es wird zu sehr alles voneinander getrennt, anstatt den Menschen als Ganzes zu betrachten) Viele Probleme bedingen sich gegenseitig, oder das eine Problem hängt mit einem anderen zusammen, aber es wird alles getrennt behandelt. ein ganzheitlicher Ansatz fehlt und das bemängle ich sehr stark. 

Und für mich noch ein absolut wichtiger Punkt: besseres Essen! Wie soll man wieder zu Kräften kommen, wenn das Essen nach Ernährungserkenntnissen für einen menschlichen Körper einfach nicht stimmig ist? (zb viel zu wenig Gemüse, und das dann oft so zerkocht dass die benötigten Stoffe gewiss nimmer drin sind etc. Oder tausende E-Stoffe, von denen man doch eigentlich weiß, wie sehr sie Gesundheit und Psyche beeinträchtigen können..) Man weiß ja mittlerweile immer mehr, welche Nahrungsmittel welche Auswirkungen auf Körper und Psyche haben - und sollte das entsprechend anpassen (übrigens nicht nur in psychiatrischen Kliniken).

So wie ich das schreibe, klingt es jetzt als wären meine stationären Therapieerfahrungen komplett negativ, aber das stimmt nicht. Ich habe trotz allem sehr viel für mich mitnehmen können und profitiere bis heute davon. Aber ich würde derzeit auf keinen Fall wieder stationär gehen.
Ich fand zB gut, dass es Patientengruppen gab, wo man sich untereinander schneller kennen gelernt hat und kleinere Probleme mithilfe der Anderen lösen konnte. Gut fand ich die Fülle an verschiedenen Therapien, die angeboten worden sind.(nur nicht, dass man alles auf einmal machen musste) Gut fand ich, dass es ein "offenes Atelier" gab, also einen Raum der zu vielen Zeiten einfach offen war, falls man dort einer Beschäftigung nachgehen wollte, also basteln und werkeln. Man konnte aussuchen ob angeleitet, oder Eigenregie. Guit fand ich die Getaltung der Klinik, nicht so sehr klinisch, eher wohnlich - aber so dezent, dass sich eigentlich jeder dran anpassen konnte.
Gut fand ich auch, dass man zB selbst für Tischdecken etc verantwortlich war - man hatte so ein wenig auch Alltagsaufgaben und mehr Gemeinschaft. Und es war dadurch auch eher WG als KLinikgefühl. Das Highlight der Woche war das Sonntagsfrühstück, für das besondere Dinge (in einem gewissen Budget) eingekauft werden durfte, und man etwa ne Stunde mitsamt Personal am Tisch saß. Toll fand ich, dass eine der Nachtschwestern immer die jahreszeitliche Deko liebevoll arrangiert und teils selbst gebastelt hatte. Sowas hilft ungemein, sich wohl zu fühlen. Und dass wir auch eigenes mit einbringen durften. Ich mochte auch die Stationsversammlungen einmal die Woche, wo einfach das Wichtigste besprochen worden ist (Entlassungen, Neuankömmlinge, Patenschaften für Neue, Probleme und Gutes, wenn jemand vom Personal in der nächsten Woche Urlaub hatte etc). Gut fand ich auch die Ankommensphase (erstmal eingewöhnen bevor es los geht für 2 Tage) und die erste Phase der Therapie, wo man erstmal sondiert hat, worum es geht, wohin es gehen soll etc.
Alle diese Dinge wünsche ich mir natürlich auch weiterhin und auch für andere Kliniken.
[-] Die folgenden 1 Benutzer sagen Danke an Bissi*gaga für diesen Beitrag:
  • KTT (13-10-2020)
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