Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.

Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wie den Kontakt bekommen?
#1
Hallo,

ich mache zur Zeit Schematherapie und dort wird ja viel mit den "Kindanteilen" gearbeitet.
Dabei geht es auch darum, dem Kind HEUTE das zu geben, was es damals nicht bekam.

Mir fehlt aber komplett der Zugang dazu.
Ich seh die Kleine zwar "vor mir" aber ich will mich mit ihr nicht weiter befassen.
Bin da eher so der Betrachter von weit weg. 
Ich soll ihr einen sicheren Ort kreieren.
Wie soll ich das machen, wenn ich denke "was geht mich das überhaupt an, mir doch egal".
Ich will da gar nicht genauer hinschauen.

Wie ist so eure Erfahrung.

LG vom Nebelwesen
Zitieren
#2
Hi, Nebelwesen
 
Schöne Versinnbildlichung des Account-Namen
 
Hier sind einige "Kinder" an Board und ehrlich gesagt, haben wir nicht einen einzigen Ort für sie erschaffen, sondern sie haben es selbst getan. Jeder hat sein eigenes kleines (großes) Reich – da alles nicht physisch ist, ist das Volumen unbegrenzt.
Zusätzlich ist der Allgemeine Bereich aber auch ein geschützter Bereich, was bedeutet dass sie selbst hier soweit Sicher sind.
 
Durch deine Distanziertheit solltest du "dem Kind" vielleicht erst mal die Möglichkeit einräumen, dass es sich selbst auch einen Ort/Fleck erschaffen darf. Biete es ihm/ihr an und sieh, wie es darauf reagiert.
 
Akzeptanz, selbst im eigenen Inneren birgt oftmals ungeahnte Möglichkeiten
 
Desweiteren geht es dich sehr viel an, denn "das Kind" bist du, es stellt einen Aspekt deiner Vergangenheit dar. Ohne es würdest du nicht existieren egal wie und in welcher Form.
 
Und wenn du dich nicht befassen willst, sondern nur betrachten kannst, dann tu' wenigstens dies – vorläufig. Betrachte, schau "dir" zu. Beobachte und lerne, denn auch sie können einem noch immer was beibringen. Viel Spass!
 
VLG
[-] Die folgenden 1 Benutzer sagen Danke an Maddox für diesen Beitrag:
  • Nebelwesen (24-05-2018)
Zitieren
#3
Ich habe heute einen Blog gefunden,
in dem auch das Thema Inneres Kind beschrieben wird.
Ich finde den Text wirklich toll und hilfreich für mein Verständnis.


Gedanken über das innere Kind

"Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst."
Hermann Hesse

Das Innere Kind. Wir alle haben diesen Begriff schon einmal gehört oder gelesen. Aber nicht alle von uns haben eine genaue Vorstellung davon, was der Begriff bedeutet, obwohl wir alle ein inneres Kind in uns tragen, egal wie alt wir sind.Jedes innere Kind in jedem von uns ist anders und vor allem, es macht sich bei jedem von uns anders bemerkbar. So verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind unsere inneren Kinder.

Der Begriff Inneres Kind kommt aus dem Reich der Psychologie und ist noch gar nicht so alt.


Andererseits gibt es eine lange Tradition in der Psychologie und in der Psychoanalyse, sich mit den inneren Zuständen der Kindheit zu befassen. Es ist das zentrale Charakteristikum aller psychodynamischen Ansätze, die Bedeutung unserer Kindheit und vor allem die inneren Bilder unseres Kindseins zusammen mit den inneren Bildern unserer Eltern zu beleuchten.




Schon der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung schloss den Erfahrungsraum des Kindes in seine Arbeit mit ein. Er sprach vom „göttlichen Kind“ in uns. Jung betonte, dass die frühen inneren seelischen Wirklichkeiten einen entscheidenden Einfluss auf das Erwachsenendasein haben. Der Dialog mit den inneren Kindanteilen war für ihn ein wichtiger Zugang zum Unbewussten.

Vor ca. fünfzehn Jahren schrieben Erika J. Chopich und Margaret Paul das Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind" und machten den Begriff populär. Auch das Buch "Versöhnung mit dem inneren Kind" von Thich Nhat Hanh ist ein bekanntes Werk über die heilende Kraft der Achtsamkeit für unser inneres Kind.

Ursprünglich jedoch basiert das Modell des Inneren Kindes auf dem psychologischen Konzept der Psychosynthese, zu deren Entwicklung der Italiener Roberto Assagioli beigetragen hat. Assagioli war ein Schüler von Freud, bis er sich von ihm abwandte und zum Pionier der transpersonalen Psychologie und Psychotherapie wurde. Der Psychiater und Psychotherapeut entwickelte mit der Idee der Psychosynthese ein Modell des Menschen, das Körper, Geist und Seele umfasst.

Bereits im Jahre 1910 wies Assagioli auf die Mängel des Freudschen Triebmodells hin. Er war der Überzeugung, dass, solange man den Menschen nur als ein von seinen Trieben gesteuertes Wesen betrachte, er in seiner komplexen Ganzheit nicht erfasst werden könne. Assagioli erkannte die Realität der Seele an und zwar als wesentlichen Teil der menschlichen Struktur. Er war überzeugt davon, dass der Mensch in seiner Essenz eine Seele ist und darüber hinaus eine Persönlichkeit besitzt, mit vielen Teilen, die er Teilpersönlichkeiten nannte.

Ein bekanntes Zitat Assagiolis lautet:
„Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.
Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.
Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht meine Wünsche.
Ich habe einen Geist, aber ich bin nicht mein Geist.
Ich bin ein Zentrum aus reinem Bewusstsein.“

Assagioli ging es in seiner Arbeit darum, zu vermitteln wie der Mensch in Distanz zu dieser Persönlichkeit und ihren Teilen gehen kann, mit dem Ziel, sich davon zu disidentifizieren.

Er war davon überzeugt, dass der Mensch vom Zentrum des Bewusstseins aus, fähig sei, die einzelnen Teile seiner Person, also Körper, Geist, Seele, Gefühle und Gedanken, aber auch die vielen verschieden Rollen, die er im Laufe des Leben spielt und seine Verhaltensmuster zu erkennen um zu verändern. Ihm ging es um die Bewusstwerdung von schädigenden unbewussten Inhalten, um schließlich zu einer größeren Klarheit über das eigene Wesen zu gelangen. So ordnete er die Persönlichkeit dem Personalen Selbst oder dem Ich zu, in dem auch der Wille und damit die Fähigkeit zur Wahl angesiedelt sind. Und damit einhergehend - die Wahl bewusst und selbstbestimmt zu leben und zu handeln.

Unser Inneres Kind ist nur eine unserer vielen Teilpersönlichkeiten.
Es haust, wie viele dieser Teile unseres Selbst, im Unterbewusstsein. Von da aus agiert es und beeinflusst, je nach unserer individuellen Erfahrung, unser Leben als Erwachsene.

Das innere Kind ist machtvoll, besonders wenn es ein verletztes und/oder ein ungeliebtes inneres Kind ist.

Typisch für dieses Kind sind ein impulsives Verhalten und eine geringe Frustrationstoleranz. Schon die kleinste Kritik, die kleinste Zurückweisung können enorme, für andere unangemessene Reaktionen auslösen. Hat ein Mensch als Kind wenig Liebe und Beachtung, Schmerz oder sogar Missbrauch erlebt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Erwachsene sein inneres Kind unbewusst ablehnt, weil er diese vernichtenden Erfahrungen nicht wieder fühlen will. Das als schmerzhaft Erlebte wird verdrängt.

Aber alles Verdrängte kommt auf den seltsamsten Wegen nach oben, wenn es abgeschnitten bleibt und nicht bewusst wird. Es ist nur verbannt in das Reich der inneren Schatten und führt dort ein mitunter zerstörerisches Eigenleben.

Im Prinzip ist das innere Kind ein Schattenaspekt unserer Persönlichkeit.

Es ist das Ungelebte, das Unverarbeitete und Verdrängte, es ist der Mangel und der Schmerz dessen, was wir als Kind erfahren haben, was uns angetan oder vorenthalten wurde und das, was uns über uns selbst zu denken und zu fühlen beigebracht wurde. Meistens durch die eigenen Eltern oder nahe stehende Bezugspersonen.

Durch das Abschneiden der schmerzhaften Gefühle, die wir als Kind erlebt haben, wird jedoch auch das Empfinden positiver Gefühle verhindert und Gefühle des Ungeliebtseins, der Leere, der Wut, der Trauer und der inneren Einsamkeit manifestieren sich. Es kommt zu keinem tiefen Kontakt mit uns selbst. Aber ein tiefer Kontakt zu Anderen ist ohne Verbindung zu uns selbst nicht möglich. Andererseits werden eigene Wünsche und Gefühle unterdrückt, in der unbewussten Hoffnung geliebt zu werden, wenn man sich den Erwartungen anderer anpasst.

Das ist ein Teil des Dramas des inneren Kindes, basierend auf der Wunde des Ungeliebten. Es ist das Kindheitstrauma derer, die Liebe ohne Bedingungen, niemals erfahren haben.

Unser inneres Kind ist zum einen das Symbol für unsere Verwundbarkeit und zum anderen der Ursprung für unsere Angst als Erwachsene wieder verletzt und zurückgewiesen zu werden. Es steht für unsere Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung und der Akzeptanz, wir in Ordnung sind, genauso wie wir sind. Aber zugleich ist es auch der Teil in uns, der positiven Anteile unserer Person wie Spontaneität, Neugierde, Lebendigkeit, das Spielerische, Schöpfertum und die Fähigkeit, ganz im Moment sein zu können.

Das verletzte innere Kind aber kann all diese positiven Anteile nur begrenzt ausleben. Es ist wütend, es ist traurig und es fühlt sich schuldig, aufgrund der bis ins Erwachsenenalter unbewusst wirkenden Introjektion derer, die ihm Schmerzen oder Böses zugefügt haben.

Introjektion bedeutet, dass eine äußere Realität, also Objekte und/oder Objektqualitäten in das eigene seelische Innere einverleibt werden. Dies führt zu einer Identifizierung mit exakt den Eigenschaften dieses Objekts oder seiner Qualitäten. Die Folge ist eine lebenslange innere Zerrissenheit, ein innerer Kampf indem das Kind sich hilflos und ohnmächtig fühlt und seine ganze Kraft darauf verwendet sich zu befreien.

Die Psychoanalytikerin Luise Reddemann schrieb einmal: „Was in der Vergangenheit versäumt wurde, können später weder der Partner noch Freunde oder Kollegen und die eigenen Eltern wiedergutmachen. Man kann sein inneres Kind sozusagen nicht anderen Menschen auf den Schoß setzen.“

Wie aber wirkt das verletzte innere Kind in unserem Leben?

Wer ein ungeliebtes, verletztes inneres Kind in sich trägt, schreit ein Leben lang unbewusst oder bewusst nach Wiedergutmachung. Er fordert ein, was ihm als Kind verwehrt oder was in ihm zerstört wurde. Im Grunde aber schreit dieses Kind nach bedingungsloser Liebe, eine Liebe, die es in sich selbst nicht spürt, weil es sie nicht erfahren hat.

Menschen die ein verletztes inneres Kind in sich tragen sind der festen unbewussten Überzeugung, dass sie sich selbst nicht glücklich machen können und dass sie Schmerz und Ablehnung nicht aushalten können. Das führt auch dazu, dass sie dazu neigen andere für ihr  Leid verantwortlich zu machen, sie zu kontrollieren und zu manipulieren. Sich selbst entzieht das innere Kind hingegen jeglicher Kontrolle, es schreit nach Abgrenzung, obwohl es sich gleichzeitig nach nichts mehr sehnt, als nach Nähe und dem Gefühl geliebt zu werden.

Kinder, die wenig Liebe und Anerkennung erfahren haben, die seelisch oder körperlich missbraucht wurden, haben als Erwachsene ein geringes Selbstwertgefühl und sie spüren sich selbst nur begrenzt.

Sie haben Nachholbedarf. Ihr Verlangen ist es, mangelnde Anerkennung und Liebe als Erwachsener von anderen zu bekommen und zwar in Beziehungen und Partnerschaften. Aber weil man als Kind ihre Grenzen immer überschritten, oder sie nicht geachtet hat, können sich nur schwer abgrenzen, sie suchen Nähe und können sie nur schwer aushalten. Sie sind immer auf der Hut, denn das Zulassen von emotionaler oder körperlicher Nähe bedeutet im Zweifel wieder eine neue Verletzung.

Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Angst vor neuen Verletzungen leben sie in einem Niemandsland. Sie fühlen sich niemals angekommen und nie angenommen, wobei eins das andere bedingt – wer sich nicht angenommen fühlt ist ein Heimatloser in sich selbst und heimatlos in der Welt. Da sind immer die Wunden der alten Verletzungen und die kleinste Zurückweisung genügt, um wieder den alten Schmerz des Kindes zu spüren. Das Grundgefühl dieser Menschen ist: Ich bin nicht liebenswert. Ich kann niemandem vertrauen und er vertraut und glaubt nicht einmal sich selbst.

Aus der Angst heraus nicht liebenswert zu sein sind sie schnell bereit die Erwartungen der Anderen zu erfüllen, um erneute Zurückweisung, oder Liebesentzug zu vermeiden. Nicht selten führt das zu Abhängigkeit, vor allem vom Partner und manchmal sogar von den eigenen Kindern. Das Klammern an andere Menschen ist ein Ausdruck von Angst. Die Angst vor Verlust und die Angst vor der Einsamkeit. Beziehungen dieser Art sind nicht gesund und was Partnerschaften angeht, selten dauertüchtig. Kommt es zur Trennung wird das Glaubensmuster - ich bin nicht liebenswert, nicht gut genug - bestätigt. Ein Teufelskreis! Ein Leid ohne Ende.

Wo ist der Weg aus diesem Teufelskreis?

Zurück zu Assagioli: Zum Beobachter unserer inneren Welt von Gefühlen und Gedanken werden.

Viele von sind als Kind verletzt worden, durch Missachtung, negative Bewertungen, Beschimpfungen, Liebesentzug und Demütigungen bis hin zu emotionalem oder körperlichen Missbrauch. Aber nicht jeder von uns identifiziert sich ein Leben lang mit seinem verletzten inneren Kind. Wer sich mit diesem inneren Kind überwiegend identifiziert, hat es schwer „erwachsen zu werden“ - und damit meine ich, diesem verzweifelt nach Liebe schreienden Kind zu „entwachsen“ und sich wie ein erwachsener Mensch zu verhalten.

Aber was ist erwachsen?

Im Gegensatz zum Kind, dessen Existenz abhängig ist von der Fürsorge und Liebe seiner Eltern und anderen Bezugspersonen, ist der Erwachsene unabhängig. Er kann für sich selbst sorgen. Er ist in der Lage, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, er hat einen Willen und – was ihm als Kind nicht möglich war – er kann und er darf wollen und er kann das Gewollte auch in Handeln umsetzen. Er darf selbstständig handeln und er darf für sein Wohlergehen selbst sorgen. Ein Erwachsener ist fähig ohne die permanente Anerkennung und die Zuneigung von anderen zu überleben, ohne sich seiner gesamten Existenz gefährdet zu fühlen -  er ist emotional unabhängig.

Aber ist emotionale Unabhängigkeit überhaupt möglich?

Zweifellos ist lieben und geliebt werden entscheidend und wichtig um ein erfülltes Leben zu leben. Aber es gibt eben auch Zeiten im Leben, wo wir das nicht haben. Zeiten, in denen die Liebe zu einem Anderen abwesend ist. Zeiten, in denen wir allein sind mit uns selbst. Emotional allein. Und dann sind wir nicht anhängig an andere und in der Konsequenz unabhängig von deren emotionaler Zuwendung.

Allein mit sich selbst, das ist für keinen Menschen leicht aber für das verletzte innere Kind ist es ein Gefühl, das ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Denn das Glaubensmuster des Kindes ist: Ich muss geliebt werden, sonst kann ich nicht überleben. Wenn dieses Glaubensmuster vorherrscht sind wir unfrei – nicht nur in uns selbst, sondern in jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Wir sind, wie als Kind, abhängig von Anderen und damit manipulierbar. Wir projizieren auf den Partner eine Art Ersatzelternteil und fordern unbewusst diese eine Liebe, die wir niemals bekommen haben. Das überfordert jeden Menschen, denn diese Forderung kann niemals erfüllt werden, weil sie alt ist und mit dem Partner nichts zu tun hat - es ist die kindliche Sucht nach Liebe und Anerkennung durch die Eltern. Wird sie nicht erfüllt, bleibt sie ein Leben lang ein Fass ohne Boden.

Wer will so leben?

Die Arbeit mit dem inneren Kind bedeutet den Willen zu haben den "inneren Erwachsenen" zu entwickeln. Sie bedeutet: Unser inneres Kind zu suchen um zu erkennen, welches innere Kind in uns wirkt, wie es sich fühlt, wie es agiert, um es zu identifizieren um uns schließlich zu disidentifizieren.

Ein mitunter lebenslanger, schmerzhafter Prozess. Dazu gehört auch unserem verletzten inneren Kind selbst die Wertschätzung und Anerkennung zu geben, die es vermisst hat.

Dazu gehört: Immer wieder aufs Neue Distanz einzunehmen – was bedeutet: Die Gefühle und die Ängste des inneren Kindes wahrzunehmen und sie als das zu erkennen, was sie sind – alte Gefühle der Verwundung, der Sehnsucht und des Schmerzes. Es bedeutet, diese Gefühle auszuhalten, sie nicht zu verdrängen sondern zuzulassen, ohne sich überfluten zu lassen. Das ist schwer.

Es ist auch schwer, das innere Kind zu umarmen anstatt es zu beschuldigen, es zu kritisieren und es zu vernichten, wenn es sich meldet, oder es nicht endlos zu bejammern und zu bemitleiden.

Dazu gehört Mitgefühl - was bedeutet, mit diesem Kind zu fühlen - und zwar als Erwachsener und nicht in der Rolle des Kindes. Denn Mitleid und vor allem Selbstmitleid ist eine Spirale nach unten, es ist immer potenziertes Leid.

Warum nicht mit dem Kind in uns sprechen und ihm immer wieder sagen: Du bist liebenswert, du hast Gutes verdient, dem inneren Kind Gutes tun und mit ihm zu spielen.

Es hilft, sich unserer Introjekte bewusst werden und sie so schwer es fällt, zu integrieren und nicht abzuspalten, oder auf andere zu übertragen. Und vor allem – es hilft - anzunehmen was ist.

Annehmen was ist, bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unser Schicksal. Und das gelingt nur dann wenn wir dem, was uns widerfahren ist, einen Sinn verleihen können. Wenn wir fest daran glauben, dass jede Erfahrung uns zu dem Menschen macht, der wir sind.

Jede Erfahrung, gerade die schmerzhaften lassen uns innerlich wachsen, sie lassen uns, wenn wir es zulassen, er - wachsen. Sie lassen uns reifer, empathischer und verständnisvoller werden - für die eigenen Mängel; Nöte und Sehnsüchte und die anderer.

Es macht also Sinn unserem "inneren Kind" einen "inneren Erwachsenen"  zu Seite zu stellen. Das ist ein langer Prozess und er erfordert Mut und Selbstbeobachtung. Er bedeutet auch unterscheiden zu lernen, wann unser inneres Kind die Kontrolle übernimmt und unser Leben mit seinen negativen Glaubensmustern boykottiert.

Die Arbeit mit dem inneren Kind, mit dem Ziel Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, ist mit viel Angst verbunden.

Am Anfang dieses Prozesses steht die Entscheidung uns selbst lieben zu lernen und der feste Wille, dem Alten, der Vergangenheit zu entwachsen, wie gesagt - erwachsen zu werden, trotz der Angst und der tiefen Trauer über das nie Erhaltene, die Liebe, die uns verweigert wurde. Und schließlich auf diese Liebe zu verzichten.
Und anzuerkennen – ja in mir ist etwas „kaputt“. Das zugeben zu können, vor sich selbst und anderen, bedeutet sich selbst die Erlaubnis geben, das was weh tut fühlen fühlen zu dürfen. Bei vielen Menschen schafft das enorme Entlastung.

Es gibt Menschen, die das nicht können oder nicht wollen, Menschen, die in ihrer Verletzung, ihrer Trauer und in ihrer Wut stecken bleiben. Sie verletzen damit selbst immer wieder ihr eigenes inneres Kind. Sie lassen zu, dass anerzogene Glaubensmuster sie beherrschen. Sie fordern Rache und Vergeltung für das, was das Leben oder die Eltern ihnen angetan haben oder ihnen schuldig geblieben ist.

Nur werden die (vermeintlich) Schuldigen diesen Ausgleich in den seltensten Fällen herstellen. Weil sie nicht können, nicht wollen oder weil sie sich keiner Schuld bewusst sind.

Diesen Menschen, oder gar dem Leben etwas abzuverlangen zerreisst den, der das will. Er bleibt Opfer über die Zeit der Tat hinaus. Er ist ein ewiger Gefangener der mutmaßlichen oder wirklichen Täter und er ist auf immer gefangen im Introjekt. Er behandelt sich selbst genauso schlecht, wie er als Kind behandelt wurde und wird so letztlich zum Täter an sich selbst.

Der Volksmund sagt: Rache schaufelt immer zwei Gräber.

Mit dem Wunsch nach Rache und Vergeltung gelingt es nicht, das innere Kind zu besänftigen und schon gar nicht es liebevoll anzunehmen. Es wird immer wütender, immer verzweifelter und einsamer. Es findet niemals Ruhe und der Erwachsene findet niemals zu sich selbst und seinen schöpferischen Möglichkeiten.

Wenn uns alte Wahrheiten beherrschen erreichen uns neue heilende Wahrheiten nicht.

Aber was macht es so schwer eine neue, bessere Wahrheit in unser Leben zu lassen?

Es ist unser Unterbewusstsein, es ist der Schatten, den wir verdrängen und ausschließen aus unserem Bewusstsein. Der Schatten, der unser Leben genau darum überschattet, weil wir ihn nicht ins Licht holen. Wir spüren ihn und weil es weh tut, schauen wir ihm nicht ins Gesicht. Aber ihm ins Gesicht schauen, dem inneren Kind Gehör verschaffen, ist der Weg auf dem es uns gelingt den alten Schmerz zu fühle und zu heilen. All das was sich schlecht anfühlt anzuschauen bedeutet damit aufzuhören uns selbst etwas vorzumachen und es ist der Anfang zu dem zu stehen, was auch in uns ist – das Dunkle, die Angst, die Trauer, der Schmerz und die Wut. Es anzuschauen und ernst zu nehmen was wir sehen bedeutet zu weinen und die Wut auszudrücken, die Angst anzuschauen und ja, sie zu fühlen, anstatt sie zu unterdrücken, weil wir glauben all das darf nicht sein. All das darf sein! Und wenn es sein darf, verurteilen wir uns nicht länger für diese Gefühle. Das ist der erste Schritt zur Befreiung unseres inneren Kindes – es darf sein.

Die innere Wahrheit des Erwachsenen, wenn das innere Kind angenommen wird, ist: Ich bin für mich selbst, für mein Wohlergehen, mein Wohlbefinden, meine Zufriedenheit und mein Leben jetzt selbst verantwortlich. Ich habe den Willen, den Mut, die Kraft und die Macht es zu versuchen und danach zu handeln. Ich lasse zu und nehme an, was an Gefühlen in mir ist, die guten und die unguten, denn ich weiß um meine Schatten und ich weiß alle Teile in mir sind mein Ganzes. Spalte ich einen Teil von mir ab, bin ich nicht ganz.

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist ein langer schmerzhafter Weg an dessen Ende die Versöhnung steht, mit dem, was das Leben uns aufträgt und es ist die Akzeptanz dessen, was das Leben uns zu lösen aufgibt.

Menschen, die ihr inneres Kind erlöst haben erkennt man auch daran, dass sie vom Wohlwollen und der Zuneigung anderer nicht mehr abhängen. Das bedeutet nicht, dass sie andere nicht mehr brauchen, aber sie sind fähig sich das, was sie brauchen selbst zu geben. Nicht geliebt oder abgelehnt zu werden, bedeutet für sie nicht mehr die Zerstörung ihrer Existenz.

Wenn wir unser inneres Kind erlöst haben, nehmen wir dieses Kind selbst auf den Schoß, wenn es das braucht. Und wir haben gelernt unser Kind zu beachten und es zu fragen - was brauchst DU, mein Kind - jetzt?





Quelle:
Blog von Angelika Wende
Zitieren
#4
Über die Homepage/den Blog:

Die verlinkte Seite ist nicht schlecht für einen allgemeinen groben Überblick über solche Themen insgesamt.
Ich finde die Frau schreibt ziemlich gut, und bringt die Dinge zuweilen auch echt gut auf den Punkt. Solche Seiten sind immer gut zum weiter verliken an Leute die gerade anfangen sich mit sowas zu beschäftigen oder um sich auch selbst gewisse Dinge noch mal bewusst zu machen.

Ich finde aber auch sie verallgemeinert vieles zu sehr bzw. schließt oft von ein paar Einzelfällen die sie kennt auf die Allgemein oder dass das dann immer und bei allen anderen auch so wäre. So einfach ist das aber leider oft nicht. Menschen gehen zuweilen auch ganz unterschiedlich mit den erlebten Traumas um je nach Charakter oder Gesellschaftsschicht in der sie aufgewachsen sind oder Möglichkeiten die sie zur Verfügung haben usw.
Die zu starke Verallgemeinerung ist aber mein einziger Kritikpunkt, ansonsten finde ich die Seite sehr gut und bedanke mich für den Hinweis.


Zur inneren Kind Thematik:

Der Text ist auch sehr gut und richtig, aber leider bestehen traumatisierte Menschen oder auch ganz normale Menschen nicht "nur" aus verletzen inneren Kindern und wenn man es schafft die anzunehmen und sich liebevoll um sie zu kümmern, dann wird alles gut und man wird plötzlich ein freier und selbstbewusster Mensch. Ganz so einfach ist es ja nun auch nicht. Aber ich persönlich würde auch sagen, dass das ein erster und wichtiger Schritt ist in die richtige Richtung ist, denn Kontakt zum inneren Kind/Kindern aufzunehmen ist immer noch das was am leichtesten geht und wo man am schnellsten ran kommt. Finge ich zumindest. Denn die Gefühle der inneren Kinder sind wie schon beschrieben sehr intensiv und sie drängen immer wieder mit Macht an die Oberfläche und sie unterscheiden sich auch stark von den erwachsenen Gefühlen deswegen sind sie leicht zu erkennen und zu trennen von den eigenen. Ein wichtiger erster Schritt um seine eigene Freiheit zurück zu gewinnen in dem man eben lernt festzustellen dass man nicht sein verletztes inneres Kind IST sondern noch als höhere Instanz darüber steht und ordnend und regulierend eingreifen kann, wenn man das denn überhaupt möchte. Manche wollen das ja auch gar nicht, die lassen die Dinge halt einfach laufen und interfragen sie nicht. Oder haben Angst davor sie zu hinterfragen.

Guter Text jedenfalls und gute Seite. Aber natürlich auch recht aufwühlend das alles.
Vielen Dank dafür.


Wie läuft es denn bei dir so inzwischen, Nebelwesen? Schon Fortschritte gemacht?
Zitieren
#5
https://de.wikipedia.org/wiki/Ego-State-Therapie das würde ich empfehlen.
Lieben Gruß
Zitieren
#6
Hallöchen

ich hab erst jetzt Deinen Link hier gestossen.
sorry bin leider nich regelmässig im Forum.

Ich fand ihn hilfreich und verständlich.
Ich selber mache ja grad eine Schematherapie, die ähnlich aufgebaut ist,
wie das was dort in dem Link beschrieben ist.
Danke dafür .

LG vom Nebelwesen

(16.07.2018, 12:34)Silberherz schrieb: Wie läuft es denn bei dir so inzwischen, Nebelwesen? Schon Fortschritte gemacht?

Naja inzwischen kann ich wenigstens die Kind-Anteile erkennen,
weis welche Funktion sie haben, wenn sie in den Vordergrund rücken.

Aber mit der "Versorgung" der Kleinen bin ich keinen Schritt weiter.
Ich will da einfach nich ran.

Aber hab ja noch ne Menge Stunden bei meiner Thera,
noch ist nichts verloren :)
Zitieren
#7
Sehr gerne. Es gibt jede Menge gute Buch von dem tollen Autor Jochen Peichl. Eins heißt: Hypno-analytische Teilearbeit: Ego-State-Therapie mit inneren Selbstanteilen. Vielleicht kannst du so außerhalb der Therapie an dir arbeiten.
Zitieren
#8
Ich hab' festgestellt, dass verschiedene Menschen ganz unterschielich über inneres Kind bzw. über innere Kinder schreiben. Z.T. nervt mich das auch extrem, dass in der Fachliteratur, in der Therapie so ungenau mit den Begriffen um sich geworfen wird. Das macht's den Betroffenen ja nur noch schwerer duchzublicken. Und dann soll man mit sowas umgehen, was total schwammig erklärt wird.

Da muss man ein wenig sortieren.

Das Therapiekonstrukt des inneren Kindes gibt's schon 'ne Weile. Damit war einfach nur gemeint, dass z.B. total verkopfte und verkrampfte Menschen wieder ihre kindliche Seite von früher aktivieren sollten, nicht mehr nur Pflichten, Terminkalender und alle Gefühle im Sinne von perfektem Funktionieren abarbeiten, sondern mal wieder aufwachsen, raus aus dem Hamsterrad, raus aus dem Autopiloten, Gefühle nicht mehr unterdrücken, sondern zulassen. Da ging diese ganze Sache mit der Inneren-Kind-Arbeit eher so Richtung: Burnout auflösen. Leute, die nur noch geackert haben, die jede Schmerzgrenze überschritten haben, die eigene Bedürfnisse nicht mal mehr wahrgenommen haben, hat man angeleitet, doch mal zu überlegen, was denn früher als Kind so grundsätzlich wichtig war. Da kommt dann Beziehung, Spaß haben, Lachen, Spontansein,  Rumalbern usw. Es geht dabei eigentlich mehr darum, dass Menschen wieder genießen lernen und abschalten lernen, um wieder auch angenehme Zustände zu fühlen. Wenn man dieses innere Kind in der Therapie ansprach, dann ging's darum happy und ausgelassen zu sein. Es ging um die Freude, um die Unbeschwertheit, die ein gesundes Kind normalerweise empfindet.

So. Das war die  Ausgangslage zum inneren Kind.

Dann tauchten die ersten Therapeuten auf, die diese Arbeit mit dem inneren Kind bei Traumapatienten einsetzen wollten, weil sie wollten, dass sie auch an die Freudeseiten der Kindheit kommen. Das ging nach hinten los. Was die bei Trauma- und Borderline-Patienten fanden, waren nicht integrierte innere verletzte Kindanteile, die schrien, verstört waren, sich umbringen wollten, sich selbstverletzten, bockig waren, impulsiv, unzugänglich und so weit weg vom Erwachsenen-Ich, das zur Therapie ging, das nix half, diese Schmerzen und kindliche Depression aufzulösen.

Das wird immer wieder durcheinander geworfen und das verwirrt.

Mit dem Inneren Kind arbeiten hieß ursprünglich: Wieder Freudeerleben anzapfen und reaktiveren.

Aber mit verletzten nicht integrierten Innenkindanteilen arbeiten, das gehört in die Schematherapie, in die Ego-State-Therapie, das gibt's bei der Anteilsarbeit nach Reddemann und Huber und bei den EMDR-Therapeuten.

Das früher gemeinte innere Kind, war ein Kind, das integriert war (Gehirnnetzwerke, die nicht voneinander isoliert aktiviert werden) und dem ging's gut.

Das von den Traumatherapien gemeinte innere Kind und meistens sind's innere Kinder, also mehere, sind traumatisierte blutende, schreiende, wimmernde, einsame, verlassene und verratene Kinder. Wer in die Welt eines traumatisierten Kindanteils geht, der geht in die Welt des Schmerzes und der Angst.

Viele innere Kinder kommen brutal im Flasc hoch, überfluten das Alltags-Ich. Man weiß anfangs nicht, was los ist. Früher hatte man alles unter Kontrolle, man funktioniert. Aber es geht langsam los und wird schlimmer. Die Gefühle werden extrem und man versteht nicht, was mit einem los ist, warum kann man sich nicht mehr zusammennehmen wie früher. Es klappt nicht. Es ist, dass man sich selbst zusehen kann, aber man kann sich nicht helfen, man hat keinen Einfluß auf sich und seine Stimmung. Herkömmliche Therapien versagen, Ratschläge von Therapeuten, die sich damit nicht auskennen, bringen nix, es geht nix und man verzweifelt. Das machen innere Kinder normalerweise. So läuft's bei den meisten ab. Bei manchen Menschen ist es auch so, dass innere Kinder sich nur langsam zeigen, das sind schüchterne, die mal kurz aufflackern, gleich wieder verschwinden. Die nimmt man kaum war.

Ich muss sagen, dass ich mich chronisch ärgere, wenn ich über innere Kinder lese, weil der Großteil, der darüber geschrieben wird, ist so unverständlich, dass man nur die Hände über'm Kopf zusammenschlagen kann. Das geht dann von "Das gibt's nicht. Das ist Einbildung von Leuten, die aufmerksamkeitsgeil sind." bis "So'n bissl inneres Kind hat doch jeder, jeder hat ein inneres Kind, also sind wir alle auch ein bissl multiple. Dann kann 'ne DIS ja nix Schlimmes sein, sondern bloß 'n bissl anders als sonst.". Das klingt manchmal wie: "Ach, Krebs gibt's nicht." oder "Ah, ein bisschen Krebs haben wir doch alle.".

Das ist natürlich Quatsch, sowas zu schreiben und es verharmlost alles. Wenn man innere Kinder hat, dann heißt das, das in der eigenen Rübe einiges ganz schön kaputt ist. Dh, dass man an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, die das ganze Leben und das ganze Gefühlsleben massiv negativ beeinflußt, mit hohem Leidensdruck.

Ich hab' erst eine Reihenfolge rauskriegen müssen, wie ich vorgehe:

Wenn ein Flash da ist, wenn's mir schlecht geht, wenn innere Kinder sich melden, heulen, schreien, rasen, wütend sind, dann mach' ich erst mal nur die Gedanken langsamer. Wenn möglich sollte man gar nichts denken und sich auf die Atmung konzentrieren. Der Körper signalisiert dem Gehirn dann: Alles ok, keine Gefahr. Dann mache ich Skills, bis die Gefühle des inneren Kindes schwächer werden und der erwachsene Anteil mehr aktiviert wird, wenn die Anteile etwa gleichstark fühlbar sind, dann können sie miteinander am besten reden und miteinander sein. Diese Phase des Übergangs, wo das Gehirn unterschiedliche Netzwerke für unterschiedliche Anteile aktiviert, ist das Zeitfenster, in dem meiner Meinung nach die Vernetzung und Co-Bewusstsein die beste Chance hat. Und über dieses Miteinander entsteht eine Beziehung zwischen dem erwachsenen tröstenden Ich und dem kleinen verzweifelten Kind-Ich.

In der Schematherapie soll man nicht mit mehreren Kindern arbeiten, sondern man soll sie zu einem Inneren Kind zusammen fassen. Das halte ich aufgrund meiner Erfahrung für nicht gut. Die Schematherapeuten haben Angst, wenn sie mit mehreren Kindanteilen getrennt arbeiten, dann würde die Dissoziation zunehmen. Das nimmt man an. Therapeuten wie Peichl und Huber arbeiten mit jedem inneren Kind einzel und das würde ich auch empfehlen, weil man sonst das Kind nicht so versorgen kann, wie's für dieses jeweilige Kind richtig wäre. Die inneren Kinder sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse, man sollte sie da abholen, wo sie stehen. Mein Schematherapeut hat auch gemeint: "Lassen Sie die Kinder erst mal jammern, sich ausheulen. Versuchen Sie nicht sofort, die still zu kriegen und zu beruhigen. Das  ginge zu schell für die Kinder, die fühlen sich dann abgebügelt. Hören Sie ihnen ruhig ein wenig zu, nehmen Sie Anteil, seien Sie da, schenken Sie ihnen Zeit, um ihre Sorgen und Nöte anzuhören, dann erst langsam aus den leidenden Gefühlen rausführen und ablenken, mit etwas, was ihnen Freude macht.".

Es ist wie mit echten Kindern auch, nur, dass man halt schwer traumatisierte Kinder zu versorgen hat, die brauchen es etwas anders als gesunde reale Kinder.

Und ja, es ist sicher nicht die Schuld von Patienten, dass so dumm und verschwommen über Traumata und innere Kinder und Anteile geschrieben wird, sondern dieser Therapieschulenwahnsinn. Mein Traumatherapeut hat gemeint: "Frau GGG, das heißt in jedem Lehrbuch anders. Jedes Fachbuch hat dafür wieder eine andere Terminologie. Oft meinen sie aber alle das Gleiche, nur wird's unterschiedlich getauft.".

Bei den ganzen Therapieformen kann man nur wirr im Kopf werden. Die systemische Theorie spricht vom System Familie, Arbeit, Gesellschaft oder sonst was. In der hypnosystemischen Therapie wird dann vom System der inneren Familie gesprochen, wo's auch innere Kinder gibt.

Wer soll da noch peilen, worum es geht???

Das eigentlich Wichtige an der Arbeit mit inneren Kindern ist, dass man versteht, dass die negativen Gefühle, die da sind, zum Kinder-ich gehören, dass damals im Trauma entstanden ist und das jetzt noch immer im Trauma feststeckt, dem es schlecht geht, das Angst hat und jetzt Schutz und Versorgung braucht und dass man mit Skills, Meditation, Ausdauersport usw... das Gehirn dafür präpariert, dass das Großhirn mit seinen exekutiven Funktionen gestärkt wird, so dass es einen starken erwachsenen Modus/Anteil gibt, der diese verletzten Kinder auch versorgen kann und nicht mehr von ihrem Leid weggedrückt wird, denn dann wäre das Kind allein vorne und dann geht's der Gesamtpersönlichkeit natürlich dreckig, ist arbeitsunfähig und funktioniert nicht.

Wenn man also sein Leben und sein Gefühlsleben unter Kontrolle kriegen will, dann muss man sich beibringen, wie man mit den inneren Kindern und Anteilen umgehen muss, dass die beruhigt sind, sich sicher fühlen, dass sie möglichst erst gar nicht angetriggert werden, bzw. man sie schnell beruhigen kann, wenn sie hochgekommen sind.  Das lernt man größtenteils auch in der DBT, aber die DBT reicht nicht aus, wenn man innere Kinder hat, denn die sind stärker als das, was die DBT kann. Da braucht's dann noch zur DBT noch mehr dazu.

Hoffe, es war jetzt nicht zu oberlehrerhaft. Aber dieses Durcheinander bei den  Begrifflichkeiten macht nur, dass keiner mehr weiß, worum es eigentlich geht und das hilft echt keinem weiter.

Hier geht's ja. Aber in anderen Foren wird z.T. echt Unfug darüber geschrieben. Manche Blogs verkünden seitenweise, dass sie es verstanden hätten, dabei erklären sie es die ganze Zeit falsch.... Na ja, so schafft man, dass diese Erkrankungen nie wirklich anerkannt werden, wenn jeder Hinz und Kund darüber völlig falsch berichtet und auch viel nur über Gefühle gesagt wird, aber nichts über die Hintergründe, was da im Gehirn passiert.

Ich würde, wenn da ab und zu dieses Mädchen ist, vielleicht mal was für sie kaufen  und es ihr zeigen und dann hinlegen, warten, ob sie das holt. Ein Stofftier z.B.

So machen, wie man es mit einem echten Kind auch tun würde, das irgendwo total alleine rumirrt.

Hast Du kein Mitgefühl mit ihr, fühlst Du nichts, wenn sie da so alleine ist? Springen Deine Spiegelneuronen noch nicht auf sie an? Wie denkst Du, wie es ihr geht, wenn sie da allein ist? Was denkst Du, warum taucht sie auf, was will sie Dir mitteilen und zeigen? Welche Stimmung ist da, wenn Du sie betrachtest und sie ist allein? Sieht sie traurig aus? Was würdest Du ihr denn sagen wollen?

Auch wenn sie nur in Deinem Geist lebt, sie lebt. Sie ist echt, sie ist ein Kind und nicht nur ein Hirngespinnst. Sie lebt als Persönlichkeit in Deinem Gehirn, in Deinem Körper, in Deinem Leben, in Deiner Welt. Ich hab' die anfangs als kleine Schwestern gesehen, um die ich mich kümmern wollte und sollte und musste. Später als eigene Kinder. Als mich selbst kann ich sie noch immer nicht sehen, vielleicht passiert auch das irgendwann.

GlG, hoffe, es ist was dabei, was hilft....

GGG
Zitieren
#9
Ich glaub es muss jeder selbst rausfinden, warum es dem inneren Kind schlecht geht. Liegts am Trauma - braucht es Schutz und Trost? Wobei ich häufig dann dissoziiere, wenn der Kinderanteil Angst hat und der Erwachsenenanteil diesen Schutz nicht bieten kann. Oder oft liegt es auch daran bei mir, dass ich zuviel Erwachsenenkram gemacht habe und es mehr Schönes und Verspieltes braucht. Dann gönne ich uns typischen Mädchenkram - Nägel lackieren, mit Einhorn-Duschgel baden, Weihnachtsdeko verteilen usw... für die Arbeit mit dem Kind braucht es nicht zwangsläufig ein Trauma, das tut auch Menschen gut, die kein Trauma haben. Ich mache auch in der Arbeit einmal pro Monat etwas, das das innere Kind von meinen Sprachschülern freut. Diesmal werden wir Christbaumkugeln bemalen. Im Januar gibt es Glühwein-Kinderpunsch und im Februar ist Fasching. Das tut allen gut und macht das Herz weich.

LG

N.
Zitieren
#10
Ja, das tut auch allen gut. Jeder Mensch muss auftanken können, auch Kinder und auch verletzte Anteile und verletzte innere Kinder.

Das ist auch das Schwierige, dass Trauma und  Sorgen einen so gefangen nehmen, nur noch Grübeln, Probleme wälzen, analysieren, auflösen wollen.... Das ist oft zuviel.

Kinder müssen spielen können und erwachsene Menschen brauchen auch ihre Hobbies, ihre Freizeit und Freiheiten, schöne Erlebnisse, was für die Augen, was für die Ohren, was für's Herz.

Ich hab' 20 Jahre kein Weihnachten mehr gefeiert. Aber jetzt ist Verwandtschaft hergezogen und ein Kind dabei. Dieses Jahr wird's bei uns weihnachtlich zugehen. Gestern war ich schon als Nikolaus im Einsatz. Stifel vor der Tür gefüllt und nette Sachen da gelassen. Sturm geklingelt, bis ich oben die Tür gehört habe und ich Schritte auf der Treppe gehört habe. Dann bin ich losgerannt, hab' mich versteckt. Tür geht auf, Licht fällt raus. Kind sieht und hört wen wegrennen, findet die Sachen und dann kam ein großes staunendes "Ahhh!!", Stifel und Geschenkchen zusammengepackt, rein, Türe zu, die hat wohl die Mama zugemacht und schon war der Nikolaus wirklich wahr da und so sollte es sein.

Man muss irgendwann mal wieder mit alltäglichen Dingen weitermachen, um wieder am Leben teilzuhaben. Selbst verletzte Innenanteile und innere Kinder haben es irgendwann über, nur in schrecklichen Dingen zu hängen. Sie wollen das gar nicht. Sie brauchen viel Trost und alles, aber irgendwann sind die alle wie kranke Menschen und Kinder. Irgendwann, wenn's besser geht, wollen Kinder aufstehen, wollen aus dem Krankenhaus, werden die ersten Spielsachen ins Krankenbett gezerrt und einfach gespielt. Nach einer Woche Grippe und zu Hause flachliegen, stinkt's den meisten und sie fangen an, unter der Decke vorzukriechen und beschäftigen sich mit etwas, was ihnen gut tut.

Das ist schwierig, wenn man total am Ende ist, sich vorzustellen, dass irgendwann wieder Normalität eintritt, man denkt, das geht nie wieder. Aber es wird wieder gehen, irgendwann geht's wieder.

Wenn mir alles total stinkt und ich kein Land mehr sehe, dann treff' ich mich mit meiner besten Freundin. Einen Tag weg von allem und einfach mit einem Menschen zusammensein, wo man so genommen wird, wie man ist, tut den Kindern auch gut und dann geht's auch, Spaß zu haben. Letztes Mal sind wir dabei in der Beautybox gelandet und haben uns die Nägel maniküren lassen, gratis versteht sich, dann wollten sie uns ein teures Set verkaufen und wir haben es uns nicht andrehen lassen. Danach saßen wir noch eine Runde im Massagesessel vom Einkaufcenter und haben uns danach wesentlich besser gefühlt, hielt zwar nicht ewig, aber immerhin.

Man muss Kinder dafür interessieren. Der Kleine, von dem ich erzählt hatte, war im Sommer nicht gut drauf. Alles war blöd und langweilig, öde und sonst was, dooooof halt. Dann hab' ich den Fußball genommen und hab' angefangen, zu trippeln, da rannte er hinterher und wollte mir den Ball abnehmen, dann hab' ich mit 'nem breiten Zahnpastalächeln gesagt: "Was soll denn das?! Mach', dass Du weg kommst!! Fußball ist ja so laaaaangewillig. Das willst Du nicht spielen, Du darfst nicht mitspielen, ich spiel' jetzt ganz alleine laaaangweiligen Fußball....". Den Rest kann man sich denken, wir haben gespielt, bis wir platt waren.

Soviel anders sind innere Kinder nicht, man muss eigentlich nur mit ihnen langsam in Kontakt gehen, ihnen zuhören, da sein, mitmachen und sie ein bisschen spielerisch rausfordern, geben, was sie früher gebraucht hätten, aber nicht bekommen haben.

Dabei darf man nicht vergessen, wieviele Qualen manche mitbringen und das ist dann oft lange Chaos, ehe was gut werden kann.

Man braucht viel Geduld und einen langen Atem, viel Herz und Kreativität.

:-)
[-] Die folgenden 1 Benutzer sagen Danke an GGG für diesen Beitrag:
  • Nocturne (07-12-2018)
Zitieren
#11
Ich danke euch für eure Antworten.

Ich merke das ich in der Schematherapie mit "Stühlearbeit/Stühledialog" gut zurechtkomme.

Ich hoffe ich kann so mal einen dauerhaften Zugang zu meinem inneren Kind finden.

LG vom Nebelwesen
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste